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Welche Kräfte wirken in der homöopathischen Arznei?
"Similia similibus curantur - Ähnliches wird von Ähnlichem geheilt."
Mit diesem Postulat der homöopathischen Behandlungsweise durch Samuel Hahnemann ist Gewichtiges ausgesprochen. Es richtet seinem Verständnis nach den Blick auf einen erkrankten, in Bezug auf seine Lebenskraft verstimmten menschlichen Organismus, der dem in diesen Dingen kundigen Beobachter eine Anzahl verschiedener Symptome aufzeigt, die sich in ihrer Gesamtheit zu einem Krankheitsbild zusammenordnen. Der Homöopath sieht sich hier nun gefordert, eine Arznei zu finden, die am gesunden Menschen einen Komplex an Symptomen hervorruft, welcher dem Krankheitsbild des Patienten möglichst stark ähnelt. Das ist gemeint, wenn man sagt, dass das Krankheitsbild eines Patienten (das eine "simile") mit einem durch irgendeine Substanz hervorgerufenen pathogenen Bild (das ist das andere "simile") behandelt werden soll.
Eine ausgesprochene Signaturenlehre, wie sie beispielsweise Paracelsus anstrebte, der vom Arzt verlangte, dass er erst durch "der Natur Examen gehen müsse", um zu einer wahren Erkenntnis des Heilmittelwesens zu kommen, wurde von den Vertretern der klassischen Homöopathierichtung nicht besonders weiter verfolgt. Das mag auch an den anderen Zeitumständen liegen, wo man eine geistige Heilmittelanschauung im aufkommenden Materialismus des 18. und 19. Jahrhunderts immer mehr verlor.
Damals war es Hippokrates, ein Eingeweihter der Äskulap-Mysterien in Kos, welcher sich den Reichen der Natur zuwandte, um in ihnen Heilmittel für den Menschen finden. Er lieferte auch erste Elemente einer Salutogenese, d.h., einer Anschauung, die der Frage nachgeht: Was macht Gesundheit eigentlich aus und wie lässt sie sich erreichen? Man könnte ihn deshalb den Begründer der Präventivmedizin nennen.
Derartige Entwicklung war notwendig geworden, denn die Leiber der Menschen verhärteten immer mehr, so dass es nicht mehr möglich war, noch Heilungen zu bewirken wie in ägyptisch-babylonischer Zeit. Damals heilte man noch nicht mit äußeren Substanzen, sondern durch das heilende Medium der Priesterschaft. Die von ihr verwalteten Kräfte konnten einen Tempelschlaf bewirken, wie er in ähnlicher Weise auch in den Mysterien für Einweihungszeremonien bekannt war.
So war es damals durchaus üblich, Heilungen durch Handauflegen zu bewerkstelligen - eine Methode, welche in unserer Zeit in verwandelter Weise wieder auftritt (beispielsweise Reiki1), allerdings so, dass dabei der Heiler unter Aufrechterhaltung seines wachen Ich-Bewusstseins tätig ist. In älteren Zeiten musste sich der Heiler hingegen in eine Art Trance versetzen, durch welche er zum Kanal für heilende Kräfte wurde. Während dieser Zeiten wusste er nichts von sich selbst.
Rudolf Steiner stellt das folgendermaßen dar: "Auf den menschlichen Leib hatte damals die Kraft der Seele, die Kraft des Geistes noch einen viel größeren, sozusagen momentaneren Einfluss als später, wo der Leib dichter geworden ist und die Seele daher an Macht über den Leib verloren hat. Daher war es damals in viel größerem Maße möglich, zu heilen von der Seele aus. Die Seele hatte viel mehr Macht, sodass sie den Leib durchsetzen konnte mit den aus der geistigen Welt geholten gesund wirkenden Kräften, wenn der Leib in Unordnung gekommen war, um ihn wieder von sich aus in Harmonie, in Ordnung zu bringen. Die Macht der Seele über den Leib hat allmählich abgenommen. Das ist der Gang der fortgehenden Entwicklung. Daher waren die Heilprozesse in alten Zeiten in weit größerem Maße als später geistige Heilprozesse. Und diejenigen, die als Ärzte galten, waren nicht im heutigen Sinne physische Ärzte, sondern zum großen Teil Heiler in dem Sinne, dass sie auf den Leib auf dem Umwege durch die Seele wirkten. Sie reinigten die Seele und durchsetzten sie mit gesunden Empfindungen, Impulsen und Willenskräften durch die geistig-seelischen Einflüsse, die sie ausüben konnten, sei es im gewöhnlichen Zustande der physischen Wahrnehmung, sei es in dem so genannten Tempelschlaf oder dergleichen, was ja auch für die damalige Zeit nichts anderes war als eine Art Versetzen des Menschen in einen hellseherischen Zustand."2
Mit zunehmender Verhärtung des physischen Leibes verlor der Mensch schon um die Zeitenwende herum die Kraft, direkt seelisch auf den Leib einzuwirken. Ein Wandel der therapeutischen Methodik wurde notwendig und fand den ersten Niederschlag in der Medizin des Hippokrates.
Kehren wir nach diesem skizzenhaften Abriss nun zur Frage zurück, welche Kräfte im homöopathischen Arzneimittel wirken.
Beim homöopathischen Verarbeitungsprozess wird die Basissubstanz (die erst zum Heilmittel werden soll) mit einem Medium (etwa Milchzucker oder ähnlichem) in Verbindung gebracht und potenziert. Je nach der gewünschten Potenz - Verhältnisse von 1:10 (D-Potenzen), 1:100 (C-Potenzen) oder gar 1:50000 (LM- bzw. Q-Potenzen) - wird das Potenzieren durch Verreiben im Mörser mit Milchzucker vornehmlich bei festen Stoffen oder durch Verschütteln (Dynamisierung) von flüssigen Lösungen im Reagenzglas mit Hilfe von Wasser (und Alkohol) vollzogen. Die fortgesetzte Wiederholung solcher rhythmischer Verdünnungs-Prozeduren setzt dann eine geistige Kraft frei. Sie entspricht dem geistigen Wesen der Basissubstanz, aus welcher die Heilung des Erkrankten erfolgen soll und geht auf das Trägermedium (Milchzucker oder homöopathischer Alkohol) über, während ihre materielle Erscheinung verschwindet.
So ist festzuhalten:
1. Die Heilmittelwirkung einer Substanz geht auf das Trägermedium über.
2. Die Materie des Ausgangsstoffes verliert sich.
Ist man bei einer Potenz von D8 angelangt, einer Verdünnung in Dezimalschritten (1:10), dann lassen sich mit den gegenwärtigen Mitteln der Naturwissenschaft keine Moleküle des Basisstoffes mehr nachweisen. Bei weiterer Potenzierung bis zur D 23 kommt man an eine Schwelle, wo nach rein physikalischer Berechnung keine Moleküle mehr vorliegen können. Diese Grenze hat man Lohschmidt'sche Zahl genannt. Hahnemann selbst lehnte übrigens den Begriff "Verdünnung" ab. "Durch die Bearbeitung wird die Substanz zu geistartiger Arzneikraft subtilisiert und umgewandelt", sagt er in seinem "Organon".
Es ist nicht Gegenstand dieser Betrachtung, auf das Spektrum der unterschiedlichen Potenzen tiefer einzugehen.
Die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse von Rudolf Steiner ermöglichen es, die menschliche Leibesgestalt als dreigegliedertes Wesen zu verstehen. Hohe Potenzen, etwa bis D 30 (60), wirken auf das Nerven-Sinnessystem dieser Gestalt, mittlere Potenzen auf das rhythmische System des Atem- und Blutkreislaufes und die niedrigen auf den Stoffwechsel- und Gliedmaßenanteil.
Lily Kolisko prüfte die Wirksamkeit von Potenzen an Pflanzen, deren Wachstum sie daraufhin untersuchte3. So konnte sie zur Darstellung von Kurvenschaubildern gelangen, die sich aus der Anwendung von Potenzreihen ablesen ließen. Sie zeigen einen gewissen rhythmischen Verlauf und weisen regelmäßige Minima und Maxima auf.
Versuchsanordnungen nun, die auf Verhältnissen von 1:100 (C-Potenzen) basierten, wiesen hinsichtlich ihrer Kurven Minima und Maxima ebenfalls dort auf, wo sie auch bei den dezimalen Verdünnungen zu finden waren. Aber die Amplitude der Kurven war deutlicher ausgeprägt.
In diesem physisch-mineralischen Leib wirken, wie in allen Stoffen der anderen Naturreiche ebenso, vielerlei Elementarwesen, welche einerseits in der Natur vorkommen, andererseits aber auch vom Menschen im Laufe seiner Evolution erzeugt wurden (und weiterhin werden). Sie sind eine Art Bodensatz, der aus evolutionären Gründen abgeschnürt wurde. Es bleibt aber die innere Beziehung zu ihnen auch nach der Abschnürung erhalten. Das Besondere an ihnen ist, dass sie ihre leibliche Erscheinung woanders haben, als ihr Bewusstsein.
"Es gibt Wesen, die ihr Bewusstsein im Physischen haben und ihren Körper im Astralen. Ein solches Wesen ist sozusagen das umgekehrte Tier. Solche Wesen gibt es wirklich, es sind die Elementarwesen. Was der Naturforscher heute Naturgesetze nennt, das sind die Gedanken von Wesenheiten, die auf dem physischen Plan denken, aber ihren Körper auf dem Astralplan haben. Die Naturkräfte sind schaffende Wesenheiten und die Naturgesetze sind ihre Gedanken. (&) Wir gliederten in dem Fuchse die List aus unserem Inneren ab.
Nun wird ihm von der Peripherie Geist zugeführt. Das was der Fuchs von uns bekommen hat, ist in ihm Tier; was von außen her an ihn angegliedert wird vom Geiste, ist Elementarwesen."
So sind wir fortwährend von Elementarwesen umgeben, die unsere Aufmerksamkeit haben möchten. Beispielsweise können wir an der Erlösung eines Elementarwesens - einem sogenannten Feuer-Elementar, einem Salamander - tätig werden, wenn wir die Blüte einer Pflanze mit Verständnis, Hingabe und Ehrfurcht betrachten, statt unachtsam und mit reinem Nutzdenken die uns umgebende Natur zu instrumentalisieren.
"Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt, dann tritt ein Unterschied ein zwischen denjenigen Elementarwesen, die bloß hereingewandert sind und die der Mensch nicht wiederum hinaufgeführt hat zu einem höheren Elemente, und zwischen jenen, die der Mensch durch seine eigene Vergeistigung zu ihrem früheren Element zurückgebracht hat; die (letzteren) aber, die haben das gewonnen, dass sie mit dem Tode des Menschen wiederum in ihre ursprüngliche Welt zurückkehren können."5
Als Rudolf Steiner einmal von Ärzten gefragt wurde, wodurch ein Stoff zum Heilmittel werde, gab er als Antwort: "Durch die Vermenschlichung der Substanz"6 Damit ist etwas sehr Wesentliches gesagt. Denn es zeigt nicht nur, dass ein lebendiges Verständnis für die geistigen Wirkprinzipien in unserer Welt vorhanden sein muss, um Heilmittel herzustellen - nein, es weist auch darauf hin, dass die den Substanzen innewohnenden Elementarwesen durch eine bewusste Beachtung verständnisvoll aus ihrem Schicksal erlöst werden können und sollen. Dadurch kommen sie in die Lage, an der Seite des Menschen eine Aufgabe erfüllen, die nicht gegen ihn gerichtet ist, wie es die von "eigener Hand" erschaffenen Elementargeister ahrimanischer Art tun, die an die Manifestationen einer modernen entseelten Technik und Mechanik gebannt sind. Unerlöst bleiben sie auch weiterhin gegen den Menschen gerichtet, so lange er sich ihrer nicht annimmt, um sie zu spirituell zu befreien.
In einem Vortrag7 weist Rudolf Steiner darauf hin, dass jene aufbauenden Kräfte, die der Mensch nicht mehr erreichen kann, wie es dazumal durch einen Tempelschlaf möglich war, nun auf andere Art angestrebt werden müssen. Es seien die Elementarwesen, welche über die bearbeitete, vermenschlichte Substanz (das Heilmittel) den Kranken während der Nacht in die geistigen Sphären tragen würden, um ihm regenerative Kräfte zukommen zu lassen.
So scheint die Erlösung der Elementare darin zu bestehen, dass man sie von ihrer Fesselung an die Materie befreit. Dies kann dadurch geschehen, dass man eine Anbindung schafft, indem man die Erlebnisse der Sinneswahrnehmung mit spirituellem Denken verbindet und so den Wesen eine Brücke zur geistigen Welt baut - oder aber es geschieht bis in Substanz selbst hinein, wie beim Dynamisierungsprozess (Potenzierung). Zur Verdeutlichung soll diese Überlegung an einem konkreten Beispiel aufgezeigt werden:
Einerseits hängt es sicherlich mit dem rhythmischen Verarbeitungsprozess zusammen. Rückblickend zu den Experimenten Koliskos darf hinzugefügt werden, dass Versuchsanordnungen, in denen nicht Potenzen, sondern lediglich "linear" hervorgerufene Verdünnungen hergestellt wurden, keinen besonderen Kurvenverlauf zeigten. Bleibt in solchen Fällen das Elementarwesen also weiterhin an den Stoff gebannt?
Durch die besondere Prozedur des Potenzierens hingegen kann man sich denken, dass das Elementar aus seiner materiellen Verhaftung befreit wird und das Formelement, den Phantomleib, ergreifen kann. Dann wäre dieser es, der in das Medium übergeht und das Bewusstsein des Elementars als wirkende Substanzkraft in das Trägermedium mitnimmt.
Dass Wasser ein hervorragendes Medium ist, um Formkräfte aufzunehmen, denen etwas Geistiges zugrunde liegt, zeigt sich in atemberaubender Weise an den Versuchen des Japaners Masuro Emoto8. Er setzte Wasser verschiedenen Einflüssen aus und ließ es anschliessend durch Temperatursenkung kristallisieren. Die Eiskristalle, die sich zeigten, waren sehr verschieden je nach dem Einfluss, dem das Wasser ausgesetzt war. Sogar ein lediglich auf das Wasser gerichteter negativer Gedanke konnte eine unregelmäßige, hässliche Kristallbildung hervorrufen, wohingegen positive Gedanken und Empfindungen eine ausgesprochen symmetrische und reich gestaltete Struktur zu Stande brachten. Diese Forschungsergebnisse sind beliebig reproduzierbar.
Rudolf Steiner stellt im Zyklus "Von Jesus zu Christus" dar, dass der Phantomleib, bedingt durch den luziferischen Einfluss auf den Menschen, sich zu sehr mit den Aschebestandteilen, der toten Materie verbunden hat und dadurch Unlösliches in sich eingliederte. Durch die Tat des Christus auf Golgatha wurde der Phantomleib des Jesus von Nazareth in einer solchen Weise diesen Aschezusammenhängen entwunden und wieder belebt, dass bis zum Ende der physischen Evolutionsphase den menschlichen Phantomen eine Golgathakraft einorganisiert werden kann, die den Phantomen bzw. dem Mensch eine wirkliche "Auferstehung im Leibe" möglich machen kann. Durch Christi Opfertat erlangt der Mensch potenziell die Möglichkeit, sich mit der Auferstehungs-Kraft zu verbinden, welche Phantome erlöst - und darüber hinaus die Elementarwesen, welche an Materie in Phantomgestalten physischer Naturreichen gefesselt sind.9
Um den Blick auf das eigentliche Wesen von Substanz zu lenken, kann man sagen, dass einerseits deren Phantomgestalt nötig ist, um ein geistiges Agens im Formprinzip (dem Phantom) auszudrücken. Ebenso bedarf es des Bewusstseins eines an die Materie gebundenen Elementarwesens und des erlösenden tätigen Interesses des Menschen, um zu einer dynamischen Herstellungsweise von Heilmitteln zu gelangen. Erst in der Folge hiervon kann sich dann beim erkrankten Menschen eine Heilung vollziehen, für die ein elementarisches Wesen wirksam werden kann (und will). Es wird ihn während der Zeiten des Schlafes mit den höheren Wesen in Beziehung bringen, deren äußeres Erscheinungskleid in den uns umgebenden Naturreichen zu finden ist und deren Weltenweisheit jetzt auf diesem neuen Wege als dasjenige Heilmittel wirkt, welches in alten Zeiten seelisch in den Mysterien angestrebt wurde.
Damit ist ein Anfang gegeben, der den Blick für die Kräfte schärfen kann, die im Heilmittel wirken. Die Frage hingegen, warum gerade eine bestimmte Substanz Heilmittel sein kann für eine ebenso spezifische Erkrankung, d.h., wieso eine Beziehung besteht zwischen einer Substanz und dem Menschen, ist insbesondere im Rahmen der anthroposophischen Medizin mit vielen Resultaten beantwortet worden. Methodisches hierzu kann anhand der Schriften und Vorträge R. Steiners erlangt werden. Hier sind insbesondere diejenigen Schriften zu nennen, die sich mit der Entstehung der Naturreiche im Zusammenhang mit dem Menschen beschäftigen.
Benjamin Schmidt ______________________________________________ |