|
Chaos und Kosmos Bei der Übersetzung insbesondere der griechischen Texte des Johannesevangeliums und der Offenbarung des Johannes stößt man allenthalben auf den griechischen Begriff »kosmos« kosmoV, der üblicherweise mit »Welt« übersetzt wird. Diese Übersetzung ist traditionell und transportiert kaum etwas vom damaligen Verständnis dieses Begriffes. Denn selbst, wenn man das alte Wort »kosmos« mit dem modernen Wort »Kosmos« wiedergibt, hilft das auch nicht weiter, weil der alte Grieche sich nicht die moderne Vorstellung eines Weltalls mit Galaxien usw. machte. Um sich dem Inhalt des Begriffs »kosmos« anzunähern, ist es zunächst nötig, jenen Begriff aufzusuchen, der zu ihm in polarem Gegensatz steht, so, wie die Nacht zum Tag usw. Dieser polare Begriff ist: »Chaos«, griechisch: caoV. Die lexikalische Bedeutung von »kosmos« ist: Ordnung, Schmuck. Hinsichtlich des Weltalls war damit der gestirnte Himmel in seiner astronomischen Ordnung gemeint, wie diese sich aus geozentrischer Sicht ergab. Diesen Kosmos dachte man abgeschlossen durch die Sphäre des Tierkreises, jenseits derer für die antike Vorstellung etwas begann, das als die große unbegrenzte Leere aufgefasst wurde. Diese nannte man »chaos« und die gnostische Esoterik versetzte in sie hinein den Wohnsitz jener drei göttlichen Urprinzipien, die sie die drei Logoi, die drei Wörter nannte. Das abendländische Äquivalent dazu ist: Vater, Sohn, Heiliger Geist. Diese urgöttlichen Prinzipien ließen sich selbst als solche nicht erfassen, aber man ordnete ihnen Qualitäten zu, die konstitutionell für alles waren, was man dann als den von dieser Urtrinität geschaffenen Kosmos vorfand: Substanz, Leben und Form. Chaos verhält sich --> Kosmos Die Logik als Grundaxiom für das Denken und Urteilen wurde als nicht in der Lage aufgefasst, über Chaos zu spezifischen Aussagen und Urteilen zu gelangen, weil sie wegen ihrer axiomatischen Natur sich zum Denken so verhält, wie Kosmos zum Chaos. Der Kosmos wurde als vom Chaos erschaffen gedacht. Und in gleicher Weise fasste man die Logik als vom Denken erschaffen auf.* Man könnte es auch anders ausdrücken: Das Denken gibt sich den ersten Daseinsausdruck durch das Basisgesetz der Logik. Aber so wenig als das Naturgesetz denjenigen erklären kann, der es setzt, so wenig kann die Logik das Denken erklären, das sie setzt. Daher wandte sich das weitere Erkenntnisbemühen des antiken Denkers der Erforschung dessen zu, was er als Kosmos bezeichnete. *Man darf hier Denken nicht mit der gedankenverarbeitenden Verstandestätigkeit verwechseln. Das Denken erschafft die Logik, der Verstand wendet die vom Denken erschaffene Logik zur geordneten Darstellung eines Gedachten an. |