Astralwelt

Man kommt zum regelrechten Schauen der sogenannten Seelenwelt oder Astralwelt, wenn man durch kontinuierliche Meditation an sich selbst seelische Organe entwickelt. Mithilfe dieser gebildeten Organe erringt man einen neuen Bewusstseinszustand zum gewöhnlichen Tagesbewusstsein hinzu, er nennt sich imaginatives Bewusstsein oder auch Imagination. Durch sie erlangt man Kunde von der Seelenwelt. Man muss diesen Begriff Imagination allerdings frei machen von allem, was man herkömmlich damit verbindet.

Man ist ständig von dieser astralen Welt umgeben und durchdrungen, nur ist man ihrer für gewöhnlich nicht ansichtig. Jeder Schritt, den wir tun, jeder Gedanke und jedes Gefühl, den wir tätigen bzw. das wir haben, wird uns in unserer gewohnten physischen Welt bewusst. Wir benötigen die physische Welt und so auch unsere physische Leibesorganisation, um uns dieser Seelenvorgänge bewusst zu werden. Die eigentliche Heimat dieses Seelenlebens ist aber die astrale Welt. Erhebt sich der Seher zum astralen Schauen, so kann er beispielsweise verschiedenen Gefühlen begegnen, wie sie sich ihm wesenhaft in Bilderform darstellen.

"Die Astralwelt ist in der Hauptsache aus Formen und Farben zusammengesetzt. Die Farbe schwebt wie ein Flammenbild frei in der Luft. Die astralischen Farbbilder sind frei im Raum beweglich, sie vibrieren wie eine Flut von Farben, ein Farbenmeer in immer wechselnden, verschiedenartigen Linien und Formen. Zuerst erscheint dem Geistesschüler diese Glut, dieses Farbenmeer sozusagen als herrenlos, es haftet nicht an Gegenständen. Dann aber treten die Farbenflocken zusammen und heften sich, zwar nicht an Gegenstände, aber an Wesenheiten. Eine Welt von Wesenheiten, die durch Farben zu uns spricht, ist die Astralwelt." (R. Steiner, GA 95.22)

Der Mensch hat durch seinen Astralleib Anteil an dieser astralischen Welt. So ergeht es ebenso anderen Wesen unterschiedlicher Hierarchien. Jede Welt hat aber auch ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, und so ist ein hervorstechendes Merkmal, dass das dortige Zusammensein von Wesen dem Gesetz von Sympathie und Antipathie unterliegt. Eine jegliche Neigung ist dort zugleich eine Tat.

"Auf dem physischen Plan kann der Gedanke Seelengut bleiben; er kann da drinnen bleiben. Auf dem astralischen Plan ist es nicht so einfach. Da ist es so: Wenn ein Gedanke gefaßt ist steht er in einer gewissen Beziehung auch schon da. So daß also, wenn eine astralische Wesenheit einen Gedanken hat, diese Wesenheit gleich die entsprechenden Fühlfäden ausstreckt, welche die Form dieses Gedankens haben, und ein anderes Wesen streckt von sich die Fühlfäden aus; beides durchdringt sich nun gegenseitig und ist im selben Raum als neugebildete Wesenheit drinnen. So durchdringen sich fortwährend die verschiedensten Meinungen, Gedanken und Empfindungen. Das Allerentgegengesetzteste kann sich durchdringen in der astralischen Welt. Wenn in der physischen Welt Widerspruch herrscht, in der astralischen Welt herrscht sogleich Widerstreit. Denn als Wesen der astralischen Welt kann man nicht die Gedanken in sich zurückhalten, diese werden sogleich Tat, die Gegenstände sind gleich da. Nehmen wir einmal an, ein Wesen der astralischen Welt wollte etwas realisieren, und ein anderes Wesen wollte das durchkreuzen. Diskutieren kann man da nicht, sondern da gilt der Grundsatz: eine Sache muß sich bewähren! Wenn nun die beiden Fühlhörner wirklich in demselben Raume sind, dann fangen sie an, sich zu bekämpfen, und dann wird die Idee, welche die fruchtbarere ist, die also recht hat - das ist die, die bestehen kann-, die andere vernichten und wird sich geltend machen. So daß wir da fortwährend den Widerstreit haben der verschiedensten Meinungen, Gedanken und Empfindungen. Es ist sozusagen die astralische Welt die viel gefährlichere, und manches von dem, was über die Gefährlichkeit der astralischen Welt gesagt wird, hängt mit dem zusammen. Also dort wird alles zur Tat." (R. Steiner, GA 107.20f)

Hier ist nun auch ein weiteres Merkmal ausgesprochen: nämlich die Möglichkeit der Durchdringung. Auf dem Astralplan durchdringen sich fortwährend Wesenheiten, eine Tatsache, die in der physischen Welt unmöglich wäre - hier herrscht Ausschliesslichkeit.

Für nähere Beschreibungen zur Astralwelt siehe Rudolf Steiner Werke "Theosophie", "Geheimwissenschaft im Umriss" oder auch "Über die Astrale Welt und das Devachan"
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