Die wirkende Trinität - allgemeine Gesichtspunkte.

Den Betrachtungen liegt eine Privatstunde Rudolf Steiners für Marie Steiner zu Grunde, gehalten am 2. 7. 1904 in Berlin.

In dieser betrachtet er das Wirken der drei trinitarischen Grundprinzipien zueinander. Er nennt sie dort Vater, Sohn und Geist.

Der Vater ist das erste und umfassendste trinitarische Prinzip.
Es ist und ist nicht. Es liegt allem zu Grunde im Zustand des Nichtseins. Und es ist dessen Substanz im Zustand des Daseins. Während des Daseins erleidet es alle Gestaltungen, die der in seiner Substanz sich verwirklichende Kosmos durchmacht.

Der Sohn ist das zweite trinitarische Prinzip.
Es ist dasjenige, welches schafft und hervorbringt. Dieses Schaffen ist genau so gemeint, wie es im Prolog des Johannesevangeliums beschrieben wird. Durch das Schaffen des zweiten Prinzips erfährt die Substanz des ersten Prinzips eine Dynamisierung. Man kann es auch das Prinzip des Lebens nennen. Aber es würde als bloß Dynamisches nicht zur äußeren Erscheinung gelangen.

Dazu wird das dritte trinitarische Prinzip, der Geist, wirksam, welcher sich stauend diesem Lebensfluss der Materie in den Weg stellt.

Wie dieses Aufstauen geschieht, führt Rudolf Steiner in dem folgenden Satz aus:

"Immer ist das Leben einer vorhergehenden Epoche die Form einer späteren Epoche."

Damit ist gemeint, dass eine gewisse Gesetzmäßigkeit, die im zweiten trinitarischen Prinzip innerlich in den Prozessen wirkt, nun in dieser Gesetzlichkeit von außen diesem Lebensstrom entgegentritt, der aber in dieser Phase schon innerhalb der möglichen Gesetzmäßigkeiten einen Schritt weiter gegangen ist. So wird deutlich, dass eine äußere Manifestation nur dadurch möglich ist, dass sich ein Früheres hemmend einem Späteren in den Weg stellt.
Schöpfung manifestiert sich durch den transferierten Anachronismus einer einst gültigen Gesetzlichkeit. Und das beinhaltet für den Lauf des ganzen Prozesses ein Geheimnis, das Rudolf Steiner in demselben eben zitierten Kontext offen ausspricht:

"In dem Zusammenklingen von Form und Leben ist zugleich das andere Problem gegeben: das des Guten und Bösen; dadurch, dass das Gute einer früheren Zeit vereint ist mit dem Guten einer neuen Zeit. Und das ist im Grunde genommen nichts anderes als eben das Zusammenklingen des Fortschreitens mit seiner eigenen Hemmung. Das ist zugleich die Möglichkeit des materiellen Erscheinens, die Möglichkeit, zum offenbaren Dasein zu kommen. Das ist unser Menschendasein innerhalb der mineralisch-festen Erde: Innen-leben und das zurückgebliebene Leben der früheren Zeit zur hemmenden Form verhärtet."

In der erwähnten Privatstunde untersucht Rudolf Steiner das Zusammenwirken der drei Aspekte der Trinität. Es kommen sieben unterschiedliche Wirkensweisen zur Darstellung, von denen es heißt, dass sie die möglichen sieben seien. Sie werden wie folgt beschrieben:

1) Es offenbart oder zeigt sich der Vater dem Sohn.

2) Es offenbart oder zeigt sich der Sohn dem Geist.

3) Es offenbart oder zeigt sich der Geist dem Vater.

4) Es verhüllt oder verbirgt sich der Vater im Sohn
     und zeigt sich dem Geist.

5) Es verhüllt oder verbirgt sich Sohn im Geist
     und zeigt sich dem Vater.

6) Es verhüllt oder verbirgt sich Geist im Vater
     und zeigt sich dem Sohn.

7) Es verbirgt sich der Vater im Sohn und im Geist
     und wird sich selbst offenbar.

Dies nun, so Rudolf Steiner, seien die Kombinationen der drei trinitarischen Aspekte für sieben ihrer möglichen Offenbarungen. Erklärend muss hinzugefügt werden, dass die genannten Kombinationen sich auf solche Weltphasen beziehen, die in der Manifestation verlaufen, also immer auf eine sich entwickelnde Schöpfung hinweisen.